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Bahnerdung

Bahnstrecke unter Oberleitung
Bahnstrecke unter Oberleitung

Zum Einsatzgebiet der Freiwilligen Feuerwehr Nittendorf gehört auch ein Abschnitt der Bahnstrecke Regensburg – Nürnberg. Bei Unfällen im Schienenbereich ist die elektrische Oberleitung, die eine Spannung von 15.000 V führt, eine Gefahr für die Einsatzkräfte. Müssen sich Feuerwehrleute bei ihrer Arbeit auf einen Abstand von 1,5 m oder weniger den stromführenden Teilen der Oberleitung nähern oder wurden diese beschädigt, ist es notwendig, die Oberleitung spannungsfrei zu machen. Dafür wird der Fahrdrahtabschnitt von der Leitstelle der Deutschen Bahn (DB) ausgeschaltet und an der Einsatzstelle zusätzlich geerdet.

Als „Erden“ bezeichnet man das Verbinden der Oberleitung mit der Schiene (und somit der Erde) mit einem Kupferkabel. Durch diesen Vorgang würde der Stromkreis kurzgeschlossen und mögliche Fehlerströme in die Erde abgeleitet. Dies schützt die Einsatzkräfte vor zweierlei Gefahren:

  • Sollte auf den kurzgeschlossenen Fahrdraht durch versehentliche Freischaltung, technischen Defekt oder die Folgen des Unfalls wieder Fahrstrom gelangen, schaltet eine Sicherung — ähnlich der im Haushalt — diesen wegen des Kurzschlusses automatisch wieder ab.
  • Die parallel geführten Oberleitungen an Trennstellen und entlang der Strecke beeinflussen sich gegenseitig. Wie in einem Transformator wird vom noch stromführenden auf den abgeschalteten Bereich eine lebensgefährliche Spannung übertragen (dies nennt man Induktion). Diese Spannung wird über die Erdungsleitung gefahrlos abgebaut.

Ausrüstung

Das Bahnerden übernimmt eigentlich der Notfallmanager der DB. Weil dieser für ein sehr großes Gebiet zuständig ist, kann sein Anreiseweg lang sein, wodurch wiederum ein Einsatz der Feuerwehr erheblich verzögert würde. Deshalb wurden Feuerwehren für das Bahnerden ausgebildet und ausgerüstet. In den beiden Einsatzfahrzeugen der Freiwilligen Feuerwehr Nittendorf wird jeweils ein Erdungssatz mitgeführt. Ein solcher Erdungssatz besteht aus einem Spannungsprüfer, Erdungsstangen und zwei Erdungsgarnituren (Kupferseil mit Klemmen). Mehrere Feuerwehrleute unserer Feuerwehr haben sich in den letzten Jahren durch eine Erstunterweisung zum Bahnerden qualifiziert und frischen diesen Lehrgang alle zwei Jahre wieder auf.

Vorgehen beim Erden

Stellt nun die Fahrleitung eine Gefahr bei einem Feuerwehreinsatz dar, so wird über die Einsatzleitstelle der Feuerwehr bei der DB die Abschaltung des Bahnstroms angefordert. Die einzelnen Teile des Spannungsprüfers und der Erdungsstange werden zusammengebaut und gemeinsam mit dem Kupferseil bereitgelegt. Der Spannungsprüfer ist dabei gleich einem Funktionstest zu unterziehen.

Die Sicherheitsvorschrift verlangt, dass das eigentliche Anbringen der Erdungsgarnitur ein Feuerwehrkamerad alleine übernimmt. Der Grund dafür ist, dass stets Gewissheit über den vollständigen Abschluss vorangehender Schritte bestehen muss. So kann es nicht zu Missverständnissen oder vorschnellem Handeln kommen. (Diese Vorschrift gilt übrigens auch für gewöhnliche Arbeitseinsätze der DB-Mitarbeiter.)

Mit einer Klemme wird das Seil an der Schiene befestigt. Dann ist auf die Bestätigung der Abschaltung von Seiten der DB zu warten. Gibt die DB den Fahrdraht frei, wird sich mittels des Spannungsprüfers vergewissert, denn der Kurzschlussstrom einer eingeschalteten Oberleitung kann diese durchschmelzen und herunterstützen lassen! Nur wenn der Spannungsprüfer die Spannungsfreiheit bestätigt, wird die Erdungsklemme mit der ca. 4 m langen Erdungsstange am Fahrdraht eingehängt und verschraubt.

Anbringen der Erdungsklemme an Schiene

Bilderfolge:

  1. Die Erdungsklemme wird an der Schiene angebracht.
  2. Einhängen des Spannungsprüfers in den Fahrdraht.
  3. Am Spannungsprüfer leuchtet ein grünes Licht: Der Fahrstrom ist ausgeschaltet.
  4. Mit viel Kraft wird das schwere Kupferseil mit der Erdungsstange emporgehoben.
  5. Mit einem guten Auge und ruhiger Hand muss die Klemme in den Fahrdraht eingehängt werden.
  6. Die Fahrdrahtklemme wird an der Oberleitung festgeschraubt.

Dies wird vor und hinter der Einsatzstelle und wenn nötig auf beiden Fahrspuren durchgeführt.

Berthold Wegele, Matthias Schleinkofer, 12.11.2014